Warnsdorfer Hütte 2336m

Aquarell Warnsdorfer Hütte
Titelbild der "Festschrift 1887 - 100 Jahre - 1987 Alpenverein Warnsdorf"
(Aquarell von E.T. Compton, englischer Alpenmaler und Bergsteiger 1849 - 1921)
Warnsdorfer Hütte
Friedrich Ernst Berger, Garn-Großkaufmann aus Herwigsdorf bei Zittau gründete im Februar 1887 in Warnsdorf eine Sektion des „Deutschen und Österreichischen Alpenverein – DuÖAV“.In der Gründungsversammlung beschrieb er die „Alpen nicht nur als Erholungsgebiet für Menschen, die sich aus dem Trubel der Städte flüchten wollten, sondern auch als einen Teil Österreichs, der sich lohnte erschlossen zu werden, damit auch die Menschen in den kargen Gebirgsregionen teilnehmen sollen am Wohlstand der Industriestädte ihres Heimatlandes.“
So berichtet der Chronist im Jubiläumsjahr 1987 in der Festschrift, die uns Josef Thoma, der zweite Vorsitzende der Sektion Warnsdorf freundlicherweise für diesen geschichtlichen Abriss zur Verfügung gestellt hat.
Vom Centralausschuss des DuÖAV und besonders vom Obmann der Sektion Prag, Johann Stüdl, wurde der Sektion das Gebiet der „Krimmler Ache“ und der „Wilden Gerlos“ als besonders arbeitsbedürftig empfohlen. In der ordentlichen Hauptversammlung am 31. Jänner 1889 wurde der Bau einer Schutzhütte in der Karalpe in 2334 m Höhe beschlossen. Postmeister Schett in Neukirchen übernahm die Ausführung des Baues, der bis zum Einbruch des Winters 1890 im Rohbau fertiggestellt wurde
Mit Rat und Tat stand während dieser Zeit auch der Prager Obmann Johann Stüdl den Erbauern zur Verfügung, damit eine fortschrittliche, der Zeit entsprechende Schutzhütte dem Wanderer und Bergsteiger Einkehr und Unterkunft bieten konnte. Der Hüttenbau, samt Einrichtung und dem erforderlichen Wegebau erforderte eine Summe von 6000 Gulden.

Die Sektion bemühte sich aber nicht nur um den Bau der Hütte und der Wege, sondern auch um eine Telefonverbindung Krimml - Zell am See und um die Planung einer Eisenbahnstrecke von Zell am See. Außerdem stellten viele Sektionsmitglieder für arme Kinder in Krimml Weihnachtsgechenke bereit.
Warnsdorfer Hütte, Eröffnung 24.7.1891
Warnsdorfer Hütte Eröffnung am 24 Juli 1891
mit Dreiherrnspitze 3499m
Am 24. Juli 1891 konnte die Schlüsselübergabe durch Baumeister Schett an Friedrich Ernst Berger erfolgen. Die Bewirtschaftung übernahm der Hüttenwirt Anton Hofer vom KrimmlerTauernhaus.

Nach der Eröffnung nahm die Warnsdorfer Hütte einen enormen touristischen Aufschwung. Hauptursache war die Inbetriebnahme der neuen Pinzgaubahn von Zell am See nach Krimml, an der insbesondere Anton Richter als Förderer großen Anteil besaß.

Im ersten Hüttenjahr 1891 waren es 140 Hüttenbesucher, im Laufe der Jahre wurden es immer mehr.

Auch die Frau des Sektionsgründers Erich Berger, Rosa, geb. Pohl kümmerte sich unermüdlich um die Hütte, sie nähte Bettwäsche und brachte aus Zittau Küchengeräte mit.
Leider hatte ich beim Besuch der Hütte starken Nebel, der meinen Drang zu eigenen Fotos unterband, der Hüttenwirt
Ernst Meschik half mir jedoch aus seinem großen Fotoarchiv mit einigen gut gelungenen Bildern aus. Danke!
Aber dafür hatte ich Zeit, aus einer Kopie der Zeitschrift des DuÖAV Jahrg, 1891 Band XIII
einen interessanten Artikel abzuschreiben.

Nach einer Beschreibung des Tauernhauses, in der zu lesen ist, dass „auch Bier vom Fasse und in Flaschen dort zu haben....“ sei, sowie „ der Verlag der >>Leipziger Illustrirten Zeitung<< alljährlich während der Sommermonate diese Zeitung in dankenswerthester Weise sendet...“ schreibt Maximilian von Prielmayer (+ 11.10.1916) kurz vor der Fertigstellung der Warnsdorfer Hütte:

Warnsdorfer Hütte, Foto:E.Meschik
Die Warnsdorfer Hütte liegt fast 900 m höher als das Tauernhaus angesichts eines Gletscherbildes ersten Ranges. Sie wurde erst im vergangenen Jahre erbaut, wird heuer ihre innere Einrichtung erhalten und soll am 22. Juli 1891 eröffnet werden.

Der Bau war dem unternehmenden Postmeister Albert S c h e t t von Neukirchen übertragen, der seiner Aufgabe vollkommen gerecht wurde.
Das Fundament besteht aus solidem, trockenen Mauerwerk, das sich an der niedrigsten Stelle 50 cm über den gewachsenen Boden erhebt und einen kleinen Keller umschliesst. Vor dem Hause, dessen Front gegen SO., also gegen die Dreiherrnspitze zu liegt, befindet sich eine 3 m lange, 1m breite gemauerte Terasse, zu welcher die steinernen Eingangsstufen hinaufführen.

Zum Bau ist ausschliesslich das zähe, wetterbeständige Zirbenholz verwendet. Die Innenwände sämmtlicher Räume der Hütte sind mit 2 cm starken, gehobelten, verfugten, gleichmässigen Bretterdecken vertäfelt, die Schlafzimmer, Gang und Führerraum sind mit 4 cm starken verfugten Bretterdecken versehen. Eine geländerte Treppe führt in das obere Stockwerk.

Die Dachung besteht aus 12 cm starken Raffen mit aufliegender, 3 cm starker dichter Bretterverschalung mit dreifacher Schindellage. Der Abzug des Rauches soll durch Ventilatoren gefördert werden, welche auf den Schornsteinen eingemauert sind. Alle äusseren Wand- und Dachtheile sind mit Carbolineum zweimal, alle inneren Wände und Decken mit Firniss dreimal überstrichen, die äusseren Thüren mit dunkelgrüner, die Fensterrahmen, Laden und Gitter mit heller Oelfarbe dreimal gestrichen.

Der Baupreis für den Rohbau betrug 3500 fl., wozu noch die Grunderwerbungs-, Gerichts- und Einrichtungskosten kommen, so dass nach Einrichtung der 20 Lagerstätten die Hütte mit rund 5000fl. zu Buch stehen wird.

Es sollen 1891 zunächst 10 Betten mit Rosshaarmatratzen vollständig ausgestattet, die weiteren 10 aber so eingerichtet werden, dass sie aushilfsweise bereits zu benützen und leicht zu vervollständigen sind.

So gefällig das Aeussere der Hütte ist, so zweckentsprechend ist auch die innere Eintheilung; Küche und Esszimmer sind von den Schlafräumen vollständig getrennt und diese sämmtlich heizbar, Vortheile, die derjenige zu schätzen weiss, welcher vor oder nach anstrengenden Touren bei anderer Einrichtung oder in Massenlagern schlechte Ruhe fand oder die Nacht hindurch vom Froste wachgehalten wurde.

Die Hütte wird im Sommer bewirthschaftet werden, und zwar durch den Tauernwirth Anton Hofer, von dessen reeller Gesinnung man sich nur Gutes versehen kann.

Was in der Hütte zu finden sein wird, ist nicht Luxus, aber Behaglichkeit, wie sie der Bauausschuss der Sektions Warnsdorf, die Herren Friedrich Ernst B e r g e r, Anton R i c h t e r – Niedergrund, Franz J, S i e b e r und Reinhard W o l f f – Zittau mit Recht als Ideal des Hüttenbaues angetsrebt haben.

Es ist mit der Hütte ein für die Hochregion mustergiltiger Bau entstanden; die Sektion und mit ihr der Gesammtverein können zufrieden auf das gelungene Werk sehen.“

Warnsdorfer Hütte, Foto:E.Meschik
Warnsdorfer Hütte, Foto:E.Meschik
Im 2. Weltkrieg wurden alle Hütten in Österreich und Südtirol beschlagnahmt, jedoch schon 1950 riefen in der "Sudetendeutschen Zeitung" ehemalige AV-Mitglieder - inzwischen aus der alten Heimat vertrieben - dazu auf, sich für den Wiedererhalt des Hüttenbesitzes einzusetzen. Die Warnsdorfer Hütte war zwischenzeitlich in "Theodor-Happrecht-Haus" - nach einem Stuttgarter Bergsteiger - umbenannt worden.


Nach der Neugründung der Sektion und der Übernahme der Hütte (1953) wurden die notwendigen Renovierungsarbeiten an der Hütte, am Wegenetz und der Materialseilbahn ausgeführt. 1956 konnte dann schon das 65 jährige unter großer Beteiligung gefeiert werden.

Mit einer ökomenischen Bergmesse wurde am 15. August 1984 ein Kleinkraftwerk eingeweiht, in den Jahren 1991/92 wurde die Hütte saniert und vergrößert, die Abwasserentsorgung wurde dem Stand der Technik angepasst. 1997 erhielt die Hütte das Umweltgütesiegel als 1. Hütte des Landes Salzburg.

  Hier einige Fotos von dem Besuch am 24./25.8 2010
  Die Nr. 1 bis 11 -überwiegend im Nebel- von mir
  12 bis 30 vom Hüttenwirt Ernst Meschik                                                    
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