Reichenberger Hütte 2046m

Als 200. im DÖAV. wurde die Sektion Reichenberg aufgenommen, die am 6. April 1893 gegründet wurde.
1901 trat man dem Erwerb einer Hütte näher, doch waren die Mittel trotz des errichteten Hüttenbaufonds noch zu gering. Auch 1904 zerschlugen sich Verhandlungen über den Bau einer Hütte im Sellraintal. Bei der Hauptversammlung des DÖAV dieses Jahres machte nun der Vorsitzende des Hauptausschusses, Prof. Dr. Ipsen, den Obmann Kahl darauf aufmerksam, daß die Barbariahütte an der Croda de Lago bei Cortina zu verkaufen sei. Kahl besichtigte sie sofort, ebenso einige Herren des Ausschusses, die auch zum Kauf rieten.
Barbariahütte von Bergführer Giovanni Barbaria 1901 erbaut
Der Preis der Hütte samt Inventar betrug 1 903 Mark, der Rest auf die Kaufsumme von 7 900 Mark wurde der Sektion erlassen. Es mußten Ergänzungen des Inventars vorgenommen werden, neue Wege wurden gebaut und eine Wasserleitung angelegt. Als Pächter wurde das Ehepaar Lacedelli aufgenommen, das sich ausgezeichnet bewährte. Am 1. 8. 1905 fand die feierliche Eröffnung statt.
Die Einrichtung der Hütte war für damalige Verhältnisse sehr modern, wie Fritz Loeffler aus Reichenberg anlässlich der Besteigung der Croda in den Mitteilungen des DuÖ Alpenvereins vom 30. Juni 1907 feststellt, denn er schreibt: "......daß die neue Hütte eine moderne Alpenschutzhütte ist, eine Hütte, die nicht nur Zuflucht und Unterstand gewährt, sondern das Gefühl des Behagens und der Wohnlichkeit hervorruft, ein Bau, nicht zu vergleichen mit den primitiven Unterkunftshütten aus den Kinderjahren des Alpinismus. Auch die Betten der Reichenberger Hütte sind so verzüglich, wie man sie im erstklassigen Hotel in Cortina nicht besser finden kann....."
Der Besuch der Hütte steigerte sich von Jahr zu Jahr, so mußte ein Erweiterungsbau beschlossen werden, dessen Kosten auf 25 000 Kö veranschlagt wurden. Der Hauptausschuß trug 1 000 Mark dazu bei. Die Eröffnung war für den 22. 8. 1914 vorgesehen. Der Kriegsausbruch Ende Juli 1914 machte diesen Plänen ein Ende. Die Hütte wurde geschlossen. Als Italien 1915 in den Krieg eintrat, wurde der Kessel von Cortina geräumt. Die Hütte soll ein Erholungsheim für italienische Offiziere gewesen sein. Erst nach dem Abzug der Italiener am 5. 11. 1917 wurde sie ausgeplündert. Im Mai 1918 wurde das Ausmaß der Schäden durch zwei Herren des Ausschusses festgestellt. Der Bau war unbeschädigt, aber alles, was nicht niet- und nagelfest war, ausgeraubt. Der Sektion stand die kostspielige Aufgabe der Wiedereinrichtung bevor. Doch es kam anders.
Barbariahütte, später Reichenberger Hütte
Barbariahütte, später Reichenberger Hütte
Reichenberger Hütte am Federa-See, jetzt:
"Rifugio Croda da Lago - Gianni Palmieri "
Durch den unglücklichen Ausgang des Krieges ging Südtirol verloren, mit ihm die Hütte und die Frucht der Arbeit von 25 Jahren.
Die Hütte gehört jetzt dem Club Alpino Italiano (CAI) Sektion Cortina d'Ampezzo und heißt "Rifugio Croda da Lago - Gianni Palmieri"
Historisches Schild

Neue Reichenberger Hütte 2586m

Neue Reichenberger Hütte
Neue Reichenberger Hütte
(Venediger Gruppe)
Nach 1918 gestattete der neue tschechische Staat keine Sektionen des DÖAV. Die Sektion mußte in "Deutscher Alpenverein Reichenberg" umbenannt werden. Mit den anderen 13 Sektionen im Staate schloß man sich zum "Verband Deutscher Alpenvereine in der Tschechoslowakei" zusammen.

Im Jahre 1920 machten sich Rudolf Kauschka und Rudolf Tham auf die Suche nach einem neuen Hüttenplatz. Sie fanden im Defereggental zwischen dem Panargenkamm und der Lasörlinggruppe einen idealen Standort in der Höhe von 2 586 m. Ihr Vorschlag wurde in der Hauptversammlung 1921 angenommen, Tham zum Hüttenwart ernannt. Den Bau der Hütte erlebte er nicht mehr, denn er verunglückte am 3. 8. 1923 am Mont Mallet in der Montblancgruppe tödlich.
Dem neuen Hüttenwart, Direktor Soutschek, gelang es, alle Hindernisse zu bewältigen und so wurde die Hütte nach einem Plan von Baumeister Pietsch in den Sommern 1924 -und 1925 unter der Bauaufsicht von Ferdinand Czastka fertiggestellt und am 25. 7. 1926 in Anwesenheit von etwa 100 Mitgliedern des Vereines eingeweiht und eröffnet. Die Festrede hielt der Bürgermeister von St. Jakob, Josef Santner.
   Rupertihaus

Intermezzo: Das Rupertihaus (1265 m)

Nach dem Anschluß an das Reich im Jahre 1938 wurde der Verein eine Sektion des DAV, Dr. Turnwald Gaufachwart für das Bergsteigen im Sudetenland und Mitglied des Hauptausschusses des DAV.
Unter ihm konnte der alte Wunsch der Sektion nach einem Skiheim in den Alpen erfüllt werden. 1933 wurde das Rupertihaus bei Mühlbach unter dem Hochkönig gepachtet. Von Baumeister Pietsch umgestaltet, konnte es am 23. 2. 1935 eröffnet werden
Es entsprach aber nicht den Erwartungen, da zu wenig Gelegenheit zum Skifahren in der näheren Umgebung war. So wurde die Pachtung 1942 wieder aufgelassen.

Der Skispringer Sepp ("Buwi") Bradl (1936 als erster Springer über 100 m erreicht/ 1953 Gewinner der Vierschanzentournee) bewirtschaftete das Haus bis zu seinem Tode 1982 mit seiner Frau Paula.

1943 konnte die Feier des 50-jährigen Bestandes der Sektion abgehalten werden. Zu dieser Zeit stand wieder ein großer Teil Mitglieder unter den Fahnen. Über ihr Schicksal ist wenig bekannt, da durch die Vertreibung im Jahre 1945 aller Zusammenhang verloren ging.
Das einzige, was erhalten blieb, war die Hütte und gewisse Vermögenswerte bei deutschen Banken. Die Mitglieder wurden in alle Winde zerstreut.

Die Hütte, im Jahre 1945 gänzlich ausgeplündert, wurde vom inzwischen neu erstandenen ÖAV der Sektion "Edelweiß" zur Betreuung übergeben. 1949 war sie soweit wieder hergestellt, daß sie 1950 wieder bewirtschaftet werden konnte. Schon 1954 verhandelte die Sektion mit "Edelweiß" wegen Übernahme der Hütte. Am 13. 6. 1957 wurde die Hütte der Sektion in einer Feierstunde als Eigentum übergeben.

Rudolf Kauschka
Rudolf Kauschka
Foto in der Stube der Hütte
Bereits im Jahre 1956 wurde in St. Jakob der 30jährige Bestand der Hütte gefeiert. Kauschka, der den Sommer immer in St. Jakob verbrachte, versah das Amt des Hüttenwartes bis zu seinem Ableben im Jahre 1960. Im Jahre 1959 wurde er anläßlich seines 75. Geburtstages zum Ehrenmitglied ernannt. Nach ihm war Dipl.-Ing. Preibisch aus München durch zwei Jahre Hüttenwart, doch gestaltete sich die Zusammenarbeit von Wien aus so schwierig, daß Dip.-Ing. Reckziegel aus Wien die Stelle übernahm.
Einige Male fand sich eine größere Zahl von Sektionsmitgliedern in St. Jakob zusammen, so bei der Enthüllung der Gedenkfeier für Kauschka im Jahre 1961, bei der 30-Jahr-Feier der Hütte im Jahre 1956 und der 40-Jahr-Feier im Jahre 1966, bei der 70-Jahr-Feier der Sektion im Jahre 1964, und der 75-Jahr-Feier der Hütte im Jahre 1969.

Die Hütte zu erhalten und auszustatten ist die Hauptsorge der Sektion. So wurde ein Stall für das Tragtier angebaut, die Decke im Gastzimmer gestützt und zur Beheizung eines modernen Herdes und zur Beleuchtung der Gastzimmer eine Propangasanlage eingerichtet. Es wurden große Mengen Decken angeschafft sowie 15 Klappbetten mit Rollmatratzen und Polstern, so daß derzeit 40 Personen liegend übernachten können. Die Bewirtschaftung der Hütte ist nicht leicht, da zur Beförderung der haltbaren Lebensmittel zu Beginn der Bewirtschaftung überwiegend Hubschrauber eingesetzt werden müssen.

Im Jahre 1972 konnte mit geldlicher Unterstützung des Heimatkreises das bisher größte Vorhaben, ein Dach aus Blech anstelle des schadhaft gewordenen Schindeldaches der Hütte verwirklicht werden.

Freiwillige Helfer für Instandsetzungsarbeiten an der Hütte, Wasserleitungsbau (es konnte dadurch eine Modernisierung der sanitären Anlagen durchgeführt werden), Markierungsarbeiten, Wegausbesserungen und Hilfe beim Hubschraubertransport finden sich in zunehmender Zahl.

Der Text stützt sich auf einen Aufsatz von Karl Bielau
im Heimatbuch Reichenberg (erschienen 1974)
Die Kosten beliefen sich auf 1/4 Million Kc, wozu der Hauptausschuß nur 5 000 Mark und 300 Mark für den Wegbau beitrug.
Die Wege wurden markiert, der Thamweg zur Daberlenke wurde angelegt und von der Göslesquelle bei der Bachlenke eine 800 m lange Wasserleitung gelegt. Unter Führung von Kauschka wurde das Berggebiet um die Hütte erschlossen, worüber er in den Jahrbüchern 1930 und 1931 des DÖAV berichtete. Dadurch wurden der Hütte viele Besucher zugeführt.

Neue Reichenberger Hütte: Einweihung 1926
Neue Reichenberger Hütte: Helfer beim Bau
Einweihung 1926
Foto in der Stube der Hütte
Träger und Helfer beim Bau der neuen Hütte
Barbariahütte, später Reichenberger Hütte
Hier noch ein paar Bilder von einem Besuch der Neuen Reichenberger Hütte im Juli 2008

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