Kaum jemand kennt die Sudetendeutsche Hütte, die mit finanzieller Hilfe der Gemeinde Neugersdorf, sowie von reichen Neugersdorfer Unternehmern im Ahrntal in Südtirol von der Sektion Warnsdorf 1907 in einer Höhe von 2568m fertig gestellt wurde.
Der Tatendrang der Sektion Warnsdorf war groß. Schon kurz nach Fertigstellung der Warnsdorfer Hütte (1891) und der Zittauer Hütte (1901) wurde eine weitere Hütte geplant. An der Kreuzung des Weges mit dem Krimmler Tauernübergang, kam es vermehrt zu Unfällen durch plötzlichen Wetterwechsel, daher war hier ein weiterer Hüttenbau dringend nötig geworden.
Neugersdorfer Hütte (2568m)
im Ahrntal/ Südtirol (jetzt „Rifugio Vetta d’Italia“)
Die rund 350 Personen umfassende Besuchergruppe wurde 2007 sehr freundlich von der italienischen Finanzwache aufgenommen. Mit Brotzeit und Hubschraubervorführungen wurde ihnen der Aufenthalt so angenehm wie möglich gestaltet.
Der Student Karl-Friedrich Kürten mußte eine andere Erfahrung machen. Er war am 13. August 1957 zufällig am Tag des 50-jährigen Jubiläums in der Nähe der Hütte und wurde recht unfreundlich von den Zöllnern empfangen.
Lesen Sie seinen Bericht, den er an die Sektion Zittau geschickt hat.
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1904 wurde ein Pachtvertrag über den erforderlichen Baugrund unterschrieben und ein Jahr später die Bauausführung an den Unternehmer Johann Eppacher aus St. Johann im Ahrntal übertragen. Ende 1906 war das Dach fertig und schon am 13. August 1907 konnte die feierliche Eröffnung stattfinden, im August 1910 wurde eine Telefon- und Telegrammannahmestelle der kaiserlichen und königlichen Oberpost- und Telegrafendirektion eingerichtet. Dafür eingesetzt haben sich der Garngroßkaufmann Friedrich Ernst Berger (1. Sektionsvorsitzender) und die Fabrikanten Alfred und Arno Hoffmann aus Neugersdorf. Außerdem ließ Hüttenwart Arno Hoffmann eine mit Tisch und Bänken ausgestattete Nebenhütte errichten, die nicht verschlossen wurde, sowie einen Reittierstall.
Bis 1919 war die Hütte bewirtschaftet, nachdem Südtirol infolge des Vertrags von Saint-Germain Italien zugesprochen wurde, duldete man die Alpenvereinsarbeit und ihre Hütten zunächst. Da aber mit dem Aufkommen des Faschismus in Italien in den 1920er Jahren die deutschsprachige Bevölkerung und deren Kulturgut verdrängt werden sollte, wurde die Hütte enteignet und als Zollhaus genutzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Hütte geplündert und verfiel, bis sie 1984, umfassend saniert, von den italienischen Zollbehörden wieder genutzt wurde, um der regen Schmuggelwirtschaft begegnen zu können. Momentan wird sie noch von der italienischen Finanzwache genutzt, soll aber in absehbarer Zeit in den Besitz des Südtiroler Alpenverein, Sektion Ahrntal, übergehen.
Im August 2007 organisierten Neugersdorfer Bürger eine Fahrt zum 100 - jährigen Jubiläum auf die Hütte, um dem Wunsch nach Übergabe an den Südtiroler Alpenverein Nachdruck zu verleihen. Beteiligt waren an der Organisation und Durchführung Bergsportbegeisterte aus drei Ländern - Südtirol (Italien), DAV Sektion Warnsdorf/ Krimml (Österreich) und Neugersdorf (Lausitz/Sachsen /Deutschland). Die Bergsteigergruppe übergab dann das von der Stadt Neugersdorf gesponserte Hüttenschild an den Südtiroler Alpenverein. Er soll es bis zur Hüttenübernahme in gute Obhut nehmen.
Die für die damalige Zeit außergewöhnlich modern gebaute Hütte befindet sich am Südhang des Zillertaler Hauptkammes auf 2568 Metern Höhe, unterhalb des uralten Hochpasses, nahe der österreichisch-italienischen Grenze auf italienischer Seite in Südtirol. Von ihr aus blickt man auf die Berge der Venedigergruppe. Die zwei größten sind die Dreiherrenspitze (3499 m) und die Rötspitze (3496 m).
An der Neugersdorfer Hütte vorbei führt der Lausitzer Weg, der unterschiedlich beschrieben wird. Der Höhenweg verläuft eigentlich von der Birnlücke zum Hundskehljoch, wird aber in der Kompass-Karte 082 als Rundweg: Kasern-Heiliggeistjöchl-Birnlückenhütte-Kasern angegeben.