Bundespräsident Gauck schreibt tschechischem Präsident
    zum 70. Jahrestag von Lidice

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat sich zum 70. Jahrestag der Massaker von Lidice und Ležáky durch die Nazis in einem Brief an den tschechischen Präsidenten Václav Klaus gewandt. Deutschland sei sich seiner „geschichtlichen Verantwortung bewusst“, schreibt Gauck. Der „Gedanke an die menschenverachtenden Terrorakte“ erfülle ihn „mit tiefer Betroffenheit und Scham“. Die Deutschen teilten den Schmerz der Opfer und fühlten mit den Überlebenden, von denen noch einige unter uns seien, so der Bundespräsident. In einer Antwort schrieb Klaus an Gauck, dass er den Brief von einem Politiker mit hoher moralischer Autorität in Deutschland sehr hoch schätze.

Das Naziregime hatte die Massaker in Lidice und Ležáky als Vergeltungsakte für das Attentat auf Reinhard Heydrich, den Statthalter Hitlers in Prag verübt. In Lidice wurden am 10. Juni 1942 alle Männer des Ortes erschossen und die Frauen und Kinder in Konzentrationslager verschleppt. Der Ort wurde dem Erdboden gleichgemacht. Die Bevölkerung von Ležáky wurde am 24. Juni des Jahres verschleppt, die Männer und Frauen wurden kurz darauf erschossen. Auch Ležáky wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Menschen aus Lidice reagieren unterschiedlich auf Gaucks Brief

Die Bürgermeisterin von Lidice, Veronika Kellerová, hat sich über den Brief des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck zum 70. Jahrestag des Massakers in ihrem Ort anerkennend geäußert. Es sei wirklich eine Geste der Versöhnung, sagte Kellerová gegenüber der Presseagentur ČTK. Mit gemischten Gefühlen reagierte einer der Überlebenden des Massakers, Pavel Horešovský. Er ist eines der Kinder gewesen, die damals von den Nazis verschleppt wurden. Horešovský sagte, er warte bis heute auf eine offizielle Entschuldigung aus Deutschland.



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